Jugendfestler: Passwort: | | |

jugendfest.de - Flimmerkiste

KINOFILM

Hotel Lux

Allgemein gilt ja im deutschen Film: Wer sich so richtig in die Nesseln setzten möchte, der drehe eine Komödie aus der Zeit des Dritten Reiches. Leander Haußmann hat's trotzdem getan und herausgekommen ist endlich mal etwas sehenswertes in dieser Sparte. Für gewöhnlich bieten Filme über die NS-Zeit wahlweise tiefsternste Betroffenheit („Die Flucht“), makellose Helden der Menschlichkeit („Operation Walküre) oder verkrampft-objektive Witze („Mein bester Feind“). Entweder gleitet dies dann in Kitsch oder aber Überrealismus ab. Haußmann versucht sich an einem fast gänzlich neuen Konzept der Geschichtskommentierung, der Tragikomödie.

Hans Zeisig und Siggi Meyer parodieren im Varieté Hitler und Stalin. Nach der Machtergreifung des Ersteren müssen sie fliehen, zunächst Kommunist Meyer, schließlich auch der politisch eigentlich neutrale Zeisig. Bei ihm sind die gefälschten Pässe nach Amerika aus und so landet er im Moskauer Hotel Lux, der Absteige aller links gesinnten Flüchtlinge. Ärgerlich nur, dass sein Pass eigentlich auf Hitlers ehemaligen Leibastrologen gestempelt ist und Russlands Diktator auch Interesse an Zukunktsvorhersagen hat. Inmitten von Säuberungen, Geheimdienstterror und Weltkriegsvorabend beginnt Zeisig ein riskantes Verwechslungsspiel, um zu entkommen.

Lacher sind vorhanden, allerdings lösen sie beim Zuschauen immer eine gleichzeitiges Beklemmungsgefühl aus. Wenn im schönsten Verwechslungsspaß plötzlich jemand eiskalt vom NKWD erschossen wird, bleibt einem das Lachen schnell im Halse stecken. Um so einen Effekt zu mit Erfolg zu erzielen, bedarf es großen Fingerspitzengefühls bei der Handlungsführung. Ohne den großartigen Bully Herbig wäre das nicht gelungen. Er spielt den melancholischen Zeisig mit allen Nuancen und als interessanten, dabei nie übermenschlichen Passiven, der zwischen alle Stühle gedrängt wird und verzweifelt-fatalistisch einen Ausweg aus dem Wahnsinn sucht. Diesen findet er am gekonnt pointierten Ende, eine Schlussszene voller Irrwitz und Dynamik.
Herbig zeigt, das abseits des Blödelindianers auch mehr in ihm steckt und ist für mich dieses Jahr die beste männliche Darstellung in einem deutschen Film. Mit Jürgen Vogel als kongenialem Partner entfaltet sich so ein Panorama der 30er Jahre, dass ohne jegliche Beschönigungen oder Belehrungen auskommt und dennoch schockierend, echt und – ein bisschen lustig ist.
 

kameramann, 18.12.18, 20:26

kameramann
Auf diesen Beitrag antworten. Empfehlen.

zur -> Übersicht

JF-Mau-Mau:
borstel hat im Mau-Mau gegen malz gewonnen! weiter
Such den Ort:
Punktzahl beim Such.den.Ort.Spiel: 20978 weiter
Kalender:
MoDiMiDoFrSaSo
19202122232425
2627282930311
2345678
9101112131415
heute | alle | Jahresplan

aktual. JFler:
teddy undecided gerd
neue JFler:
samwich noxjoh sonnenschein2002
Jugendfestler:
Direkt zu einem Jugendfestler springen:
> los!

Durchsuchen:
Auf jugendfest.de Verlorenes finden: