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Kalifornien, Teil 2

Nun sitze ich wieder in einer Boeing 747 zwischen Los Angeles und Amsterdam und finde es - wie immer - erstaunlich, dass dieser Riesenvogel mit seinen 400 Tonnen es geschafft hat, sich in die Luft zu erheben. Ja, ich weiß, diese gewaltigen Kräfte nach oben erzeugt letztlich der Luftdruck, nicht etwa die Triebwerke, und der beträgt immerhin 10 Tonnen pro Quadratmeter. Man kann das alles schön berechnen, aber ein Wunder ist es trotzdem. Warum merken wir selbst eigentlich nichts von den gewaltigen Lasten der Atmosphäre? Die Auflösung kommt später.

Ich schaue auf die bizarren Wolken, die gewaltigen Massive der Rocky Mountains. Was ist eigentlich besser, überlege ich mir, der Hin- oder der Rückflug? Klar freue ich mich sehr, nach einer langen Woche bald die Familie wieder zu sehen, das Pfingstfest bei schönem Wetter in der Heimat zu genießen. Andererseits ist mir der Abschied von diesem bezaubernden Flecken Erde mit den wunderschönen, so abwechslungsreichen Landschaften und mit seinen liebenswerten Menschen, die irgendwie immer gut drauf sind, schwer gefallen. Auch rein flugtechnisch gesehen gibt es Vor- und Nachteile. Von West nach Ost geht es wegen der atlantischen Westwinde fast eine Stunde schneller als umgekehrt. Aber wegen der Flugstaffelung mit Abflügen am Abend ist es einige Zeit dunkel und das grade über dem so spektakulären Grönland. Die Nacht ist jedoch mit nur 3 Stunden kurz, denn nun reisen wir ja gleichsinnig mit der Erdrotation. Die Erde dreht sich zufällig ebenfalls mit Flugzeugtempo, so dass wir nun quasi mit doppelter Geschwindigkeit der aufgehenden Sonne entgegen fliegen.

Es waren erlebnisreiche, aber auch anstrengende Tage. Meistens habe ich ja in Oxnard, 100 km nördlich von LA, in der Konferenz gesessen. Es ging um neueste Erkenntnisse aus der Raumfahrt zur Entstehung und Entwicklung unseres Sonnensystems. Das war zunächst harte, aber spannende Arbeit mit strammen 8 Stunden Vortragsprogramm täglich. Im Mittelpunkt standen dabei Wasser und Eis, also die Grundvoraussetzungen des Lebens. Trotz einiger Routine ist es immer wieder aufregend, vor etwa 100 Leuten, darunter viele Professoren, selbst in Englisch vorzutragen und dann in einer lebhaften Diskussion Fragen zu beantworten.

Zum Glück blieb noch Zeit für andere Dinge. Ich habe im Pazifik gebadet, aber mehr aus Prinzip als aus Genuss. Nicht die Angst vor Haien war das Problem, sondern die niedrigen Wassertemperaturen von 16°, die auch im Hochsommer nicht wesentlich steigen. Ich habe mir Ventura und Santa Barbara, zwei wunderschönen Küstenstädten gleich nebenan mit zahllosen Palmen und tollen Villen, angeschaut. Am letzten Tag war ich dann noch in Palmdale, das man schon nach 80 Meilen Richtung Osten erreicht. Die Stadt ist vor allem durch den nahen Stützpunkt der US Airforce „Edwards“ bekannt, auf dem die Space Shuttle landen. Der Kontrast ist unglaublich. Da die grüne subtropische Landschaft und das Meer, dort die karge, bergige Wüste mit der trockenen Luft, der intensiven Sonnenstrahlung (UV-Index 12) und der vielfältigen Pflanzenwelt mit ausgefeilten Überlebensstrategien. Lustig waren auch die beiden Autofahrten durch LA, jeweils zur rush hour, vorbei an Santa Monica und an Hollywood mit dem weit sichtbaren Schriftzug am Berg. Es ist einfach unglaublich, was sich an Fahrzeugen wegen eines fehlenden öffentlichen Transportsystems durch die 15-Millionen-Metropole quält.

Was fällt mir ein, wenn ich nach Unterschieden zwischen Kalifornien und Deutschland suche? Die Menschen sind hier im Durchschnitt freundlicher und disziplinierter, zumindest auf den Straßen und in Warteschlangen, die es z.B. in der Post oder am Flughafen gibt. Doch sie leben oft ungesünder, was man am Bauchumfang ablesen kann, und denken scheinbar kaum an die Umwelt. Es ist schon befremdlich, dass das Frühstück im Hotel auf Wegwerftellern serviert wird. Der Kaffee in den Styroporbechern ist auch nicht grade ein Genuss. Genauso unvernünftig ist es, dass viele einzelne, wenn auch oft recht dicke Leute mit riesigen Jeeps und Pick Ups unterwegs sind. Aber das wird sich vielleicht bald ändern. Der Benzinpreis, der noch vor 2 Jahren vernachlässigbar war, ist nun auch schon bei 1 Dollar pro Liter angekommen, eine absolute Zumutung für Amerikaner. Für sie spricht, dass das Tempolimit von maximal 110 km/h weitgehend eingehalten wird. Es macht überhaupt Spaß, hier (mal von LA abgesehen) Auto zu fahren: ungewohnt breite Highways, auf denen man sich seine Fahrspur beliebig aussuchen kann, alles absolut stressfrei und bestens ausgeschildert. Es ist auch sonst alles etwas größer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die vielen Malls mit bis zu hundert Geschäften und einem bunten Musikgemisch sind selbst im Eilschritt in 2 Stunden nicht ansatzweise zu bewältigen. Auffallend, aber nicht überraschend, sind die vielen „plus sizes“ Läden. Die kleinste Milchkaufeinheit ist 2 l, aber in der Regel kauft man 5 l-Tanks. Alkohol gibt es übrigens erst ab 21 und das wird sehr streng gehandhabt.

Ach ja, an die gestressten Abiturienten, die sich zu Hause mit den Prüfungen in Deutsch und Geschichte herum plagen mussten, habe ich aus der Ferne natürlich auch gedacht.

Eigentlich könnte ich noch viel mehr berichten, aber das Beste ist, man schaut sich das alles selbst mal an, es lohnt sich absolut! Oder ihr schreibt mir, wenn ihr noch was wissen wollt.


Nun hätte ich es fast vergessen. Warum spüren wir nichts vom enormen Gewicht der Luft über uns? Ganz einfach: Gase drücken normalerweise in alle Richtungen gleich und die Gesamtkraft ist 0, vom schwachen Auftrieb mal abgesehen. Diese Symmetrie kann man aber durch raffiniert geformte Tragflächen im Zusammenspiel mit einer schnellen Vorwärtsbewegung (und dafür sind die Triebwerke da) aufheben und schon geht’s nach oben. Staudruck nennt man das in der Physik. Beim berühmten Versuch mit den leer gepumpten Magdeburger Halbkugeln und den Pferden spürt man die atmosphärischen Kräfte auch sehr deutlich. Aber man hat ja hierzu auch eigene Erfahrungen. Wenn nach einer heißen Party die Glieder am nächsten Morgen bleischwer sind, ist jetzt klar, warum: der Luftdruck ist Schuld, seine Symmetrie ist irgendwie gebrochen^^

Von: ekki, 10.05.2008, 14:31.
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KOMMENTARE:

irgendwie kann man dich ja manchmal nur beneiden, so viel in der gegend rum zu kommen.es scheint die hat dein ausflug gefallen.am besten gefaellt mir deine schlusszeile ;o)
von: fussel, 11.05.2008, 09:50

Verbraucht ja auch unmengen an treibstoff um die 400 Tonnen in die luft zu bekommen.
von: holle am 22.02.2009, 07:35

Hallo Holle, das Umweltproblem durch Flugzeuge habe ich ja in Kalifornien, Teil 1, angesprochen. Allerdings ist der Treibstoffverbrauch pro Kopf und km selbst bei der Boeing 747 geringer als beim Auto fahren.
von: ekki am 22.02.2009, 09:31


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