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jugendfest.de - Literaturecke: TAGEBUCH

im Zug

Ich befinde mich irgendwo zwischen Nürnberg und Dresden im Interregioexpress. Es ist Sonntagnachmittag, gegen 15 Uhr.
Und es ist grausam. Als hätte halb Dresden Urlaub in Bayern gemacht und nun das Bedürfnis, schnellstmöglich nach Haus zu kommen.
Glücklicherweise hab ich einen Platz ergattern können - ich sitz ja immerhin schon vom ersten Halt an im Zug. Da bin ich nun, eingequetscht in diesem Gepäckabteil - je vier Klappsitze an den Wänden, einander gegenüber. Ich sitz am Rand.
Mir gegenüber, in der Mitte der Viererkette, ein Pärchen. Lass sie Anfang zwanzig sein. Wahrscheinlich fahren sie gemeinsam in den Urlaub. Oder kommen gerade aus dem zurück. Sie schweigen beide, fast die ganze Zeit. Ihr scheint es nicht sonderlich gut zu gehn. Keiner der beiden lächelt. Sie sind einfach nur da. Oft legt einer der beiden den Arm um den anderen oder umarmt ihn, lehnt sich an. Eine stille Verbundenheit, nichts großes, und vielleicht liegt gerade darin, dass es so klein passiert, dieses glückliche Gefühl, dass die beiden der blöden Situation zum Trotz auszustrahlen scheinen.
Von mir aus links neben ihnen ein junger Mann, wohl Ende zwanzig. Wir lachen gemeinsam über die verwirrenden Ansagen des verwirrten Schaffners, reden aber kein Wort. Nach einer gefühlten Ewigkeit von zwei Stunden in ein und dem selben Zug entwickelt sich ein merkwürdiges Gefühl von Verbundenheit. Man hat den anderen jetzt so lang ins Gesicht gesehn und sie beobachtet, dass man sie zu kennen meint. Wie eine große Familie.
Ein Familienausflug sozusagen.
Rechts sitzt dann noch der notorische Teetrinker. Er steckt die Thermoskanne jetzt schon immer ohne den Deckel ein - weil er sie in spätestens fünf Minuten eh für die nächste Tasse wieder herausholt. Ich frage mich ernsthaft, wann er wohl aufs Klo gehen muss - und wie er dorthin kommen will. Die zehn Meter bis dahin sind gepflastert mit Leuten, die den Eindruck machen, als wollten sie gleich Isomatten und Schlafsäcke ausrollen.
Die ältere Dame links von mir hält eine Zeitung in der Hand und rätselt seit einer Stunde an einem einzigen Sudoku. Aber immerhin, jetzt stehen schon ein paar Zahlen drin.
Zuggestalten sind merkwürdig. Ich frag mich, ob man im Zug ein anderer ist, als sonst.
Wahrscheinlich - man wird ja erst durch sein Umfeld zu jemandem definiert. Oder?
Und wenn ja: Wozu mach mich das Zugfahren?

Von: monchichi, 23.10.2011, 23:04.
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KOMMENTARE:

so ist das, das zugfahren, schöner bericht!
von: schlammba am 24.10.2011, 13:29

Was man "ist" wird durch die Summe, der von dir und von allen anderen gemachten Erfahrungen und deren Linerakombination, definiert. Somit ist man im Zug Aufgrund der neu gemachten Erfahrungen (...) nicht der selbe. Zu überlegen bleibt da nur, ob es einen Radius gibt, der, wie von dir beschrieben, die Glieder der Summe beschränkt ^^. Sehr schöner Denkanstoß ^^ Danke
von: joaut am 24.10.2011, 15:35

Ach...du sprichst mir aus der Seele! Mir ging es auch schon oft so. Habe aber nie Worte dafür finden können...Danke!
von: kanguroopirat am 24.10.2011, 20:12

ich bezweifle ernsthaft, ob man alle erfahrungen in kleinste linearglieder aufteilen kann, die danac entsprechend kombiniert wuerden. und selten ist eine einzelne erfahrung schon linear.
von: fiedli am 25.10.2011, 22:55

nunja ist nicht ganz einfach klar ... wenn man jedoch eine erfahrung ( meint zB. ein gefühl bei etwas bestimmten) als vektor betrachtet und dann mehrere erfahrungen quasi kombiniert ( bsp. Krümeltee ist süß zucker ist süß, in krümeltee ist zucker) kommt wie im bsp beschrieben eine erkenntnis heraus, welche dann mit entsprechendem beweis zur erfahrung werden kann ^^ somit sind aber neue "linerakombinationen" möglich ^^ zum thema lienear ... da ichzu blöd bin krumme sachen richtig zu verstehen und zu interpretieren muss ich dummer weise das ganze linearisieren, besteht danach aber das krumme aus kleinen linearen so ist es für mich auffassbar. wird aber jetzt die jeder lineare teil nochmals der Krummen angenähert so sieht es für den fernen betrachter gleich der krummen aus ist jedoch bei genauerer inspektion doch nur eine linearkombination ... ka ob dass deinen zweifeln etwas einhalt gebietet ^^ lg
von: joaut am 27.10.2011, 06:45

herr linearfunktion verkehrt zu viel mit wissenschaftlern finde ich gibts es quch einen eisgutschmeckfaktor? anne, dein bericht find ich richtig cool hat spass gemacht ihn zu lesen
von: kleinexbielatal am 29.10.2011, 10:49


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