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jugendfest.de - Literaturecke: GEDICHT

Am Hafen

Er läuft des Nachts durch Hamburgs Hafen
denn wie so oft kann er nicht schlafen.
Die Luft, vom Fischgeruch durchdrungen,
legt sich gar schwer auf seine Lungen.
Ein Kater, wohl mit Räude, schreit
durch wabernde Stockdunkelheit.

Der Nebel, feucht und dicht wie der
Besoffne, der am Weg liegt, schwer
von Alkohol und manchen Gräsern,
hängt dumpf vor seinen Brillengläsern.
Von dieser Stimmung angetan,
geht er in Richtung Reeperbahn...

So kommt er, nach geraumer Weile
dort selbst an. (Er war nicht in Eile)
Hier, denkt er, tobt das Leben recht -
hier treff ich weibliches Geschlecht.
Nicht wie am Hafen, wo es stinkt
und nichts mir an Vergnügung winkt.

Nach dem Genuss der fünften Kippe
(er spürt ein Zwicken nebst der Rippe)
sieht er die Leuchtreklame strahlen:
"S-M - Café - hier spürst du Qualen!"
Ei, denkt er, dies klingt interessant
und nimmt die Klinke in die Hand.

Beherzt erklimmt er Stuf um Stufe,
von oben hört man Schmerzensrufe.
Das alte Foto an der Wand
zeigt eine Frau auf Helgoland.
Voll Freude tritt er nun herein
wo ihn empfängt des Rotlichts Schein.

Die Dame dort hinter dem Tresen
war früher einmal hübsch gewesen.
Doch all die Arbeit Nacht für Nacht
hat ihr die Züge hart gemacht.
Ein trüber Blick bleibt an ihm kleben:
"Mei Schung, nimm Platz! Willst einen heben?"

"Zunächst einmal, da gönn ich mir
ein gut gekühltes Jever - Bier."
Gesagt - getan und flink bestellt,
rein in den Schlund - die Hemmung fällt.
"Und einen Kurzen obendrein -
da steigt die Stimmung ungemein."

Jetzt forscher mustert er die Dame
dort unter all der Leuchtreklame.
Zunächst wird ihm an ihr gewahr
das schulterlange, schwarze Haar.
Der rote Mund, die volle Brust -
in ihm erwacht so manche Lust.


Das scheint die Kellnerin zu spüren.
Sie senkt die Lider - zum Verführen.
Und auch ein Handkuss fliegt ihm zu -
da wird die Hose eng im Nu.
So nimmt er allen Mut herbei
und stellt die Frage - frank und frei:

"Willst du mit mir nach oben gehen?
Ich brauch dich jetzt – im Handumdrehen!
Die Lust ist kaum zu unterdrücken -
mir laufen Schauer übern Rücken.
Komm, schenk mir diese eine Nacht!
Du hast mich ganz verrückt gemacht!"

Sie nimmt ihn wortlos bei der Hand.
(Sie sind geschwind treppauf gerannt)
Die Zimmertür der leichten Damen
knallt kraftvoll in den eignen Rahmen.
Jetzt gibt es keine Schranken mehr
und Kleider fliegen wild umher.

Doch plötzlich bleibt ihm weg die Luft –
sie steigt in eine Lederkluft.
Ein dicker Kloß steckt ihm im Hals.
Das Zittern packt ihn ebenfalls.
Mit Reiterpeitsche angetan
bringt sie ihn nun auf Vordermann.

Stilettos mit ganz spitzen Stelzen
(bald wird er sich vor Schmerzen wälzen)
presst sie ihm tief in seinen Rücken.
Er denkt: "Wo bleibt hier mein Entzücken?"
Vorbei der Traum vom schwarzen Mieder –
da saust auch schon die Gerte nieder.

Am nächsten Morgen wird er wach.
Laut stöhnt vor Schmerz er „Weh“ und „Ach“.
Wie er nun vor dem Spiegel steht -
mit blauen Flecken übersät,
da denkt er sich nur: „Nichts wie raus,
aus diesem Rotlicht – Irrenhaus!“

Doch hat Madam etwas dagegen –
sie lässt ihn flink in Ketten legen.
Im Keller ist für ihn bereit
ein Kerker, grad zwei Meter breit.
So ließ er sich denn überlisten
um hier den Rest der Zeit zu fristen.

Jahrzehnte später (in ’nem Teiche)
hat man gefunden seine Leiche.
Gar übel war er zugerichtet –
als ihn der Pathologe sichtet.
Und die Moral von der Geschicht?
Der Schatten ist stets nah beim Licht!

Torsten Hüttenrauch/Andreas Rau

Von: elton, 03.10.2012, 12:39.
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KOMMENTARE:

Jungs, ihr habt Talent. Ueber den Inhalt muessen wir nochmal reden:) Ich hoffe nur, dass Thea nicht die Inspiration zu diesem Gedicht geliefert hat. Eben wie Martin letztens sagte: Die Gerte hat noch nie ein Pferd gesehen:) Herzliche Gruesse
von: aerztemaggie am 07.10.2012, 12:30

Am schönsten: die wabernde Stockdunkelheit.
von: gummibaerchen am 09.10.2012, 00:32

herzallerliebst.
von: hedi am 09.10.2012, 20:36

gefällt mir sehr. und gummibärchen hat nur nicht bis zu ende gelesen!
von: derdepri am 09.10.2012, 20:58


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