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jugendfest.de - Literaturecke: BERICHT

Warum zur Wahl gehen?

Zur Wahl gehen oder nicht- für viele ist das eine Bauch- oder Wetterentscheidung. Andere machen sich ernsthafte Gedanken darüber. Und ich? Ich spüre eine innere Zerrissenheit. Einerseits bin ich dankbar für die Errungenschaften der „freiheitlich-demokratischen“ Grundordnung: im Vergleich zu vergangenen Staatsformen deutlich mehr Freiheit, größerer Wohlstand, mehr europäischer Austausch.
Auf der anderen Seite vermisse ich Regeln, die die Schwachen schützen, die Lobbyisten entmachten und Superreiche an ihre soziale Verantwortung erinnern. Mehr Transparenz, Mitbestimmung und die Umgestaltung der Bundeswehr in eine zivile Katastrophenhilfstruppe sind weitere Punkte auf meinem politischen Wunschzettel.
Aber gibt es eine Partei, die solche Positionen nicht nur auf dem Papier vertritt? Deren Worte und Versprechen mehr als heiße Luft und Stimmenfang sind?
Muss ich mir, wenn ich zur Wahl gehe, nicht sagen lassen: „Die dich belügen, die hast du selbst gewählt!“? Der Ärzte-Song geht aber noch weiter: „Und darum lass sie deine Stimme hörn, weil jede Stimme zählt!“ Das klingt nach Demo, Protest, Engagement, Aktivität. Und ich glaube nur so macht das Sinn: Wer zur Wahl geht, entscheidet sich damit, am politischen Geschehen teilzunehmen. Zu hinterfragen, dranzubleiben. Sich auf politisches Leben einzulassen, eigene Ideen einzubringen und Entscheidungen mitzugestalten. Möglichkeiten dazu gibt es genug, leider oft immer noch nur auf Basis einer Parteimitgliedschaft. Aber auch andere Beteiligungsformen werden wichtiger (Online-Petitionen und –Diskussionen, Flashmobs,…)
Wer nur zur Wahl geht, um sich dann bis zur nächsten Wahl politisch totzustellen- der kann es auch bleiben lassen.
Da stell ich mit die Frage: Will ich das? Will ich mich für Politik interessieren, mich einmischen, Zeit und Nerven für politischen Dialog ver(sch)wenden? Mein Leben ist doch auch ohne Politik voll und lebenswert.
Moment mal- ohne Politik? Ohne Meinungsfreiheit, soziale Sicherung, funktionierendes Gesundheitswesen, Religionsfreiheit, garantierte Menschenwürde, Recht auf Leben, für alle zugängliche Bildung…? Da sähe unser Alltag, unser Leben, unsere Gesellschaft etwas anders aus.
Wenn ich zur Wahl gehe und meine Stimme für eine demokratische Partei bzw. ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten abgebe, dann sage ich „ja“ zu eben diesen Werten, diesen Grund- und Menschenrechten, die unser Zusammenleben erst ermöglichen. Und ich sage „ja“ zu meiner Verantwortung als Bürger, der nicht alles schluckt und hinnimmt, was „die da oben“ entscheiden, sondern (so wie es Zeit und Kräfte zulassen) am politischen Geschehen teilnimmt, mitdenkt und Mut hat, eine eigene Meinung zu entwickeln und in den politischen Dialog zu tragen.

Von: modernebauelemente, 19.08.2013, 18:32.
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KOMMENTARE:

Eben: Auch wenn dieses System nicht perfekt ist - welches wäre besser?
von: tschirni am 20.08.2013, 16:22

Eine wirkliche Demokratie ohne Schaupolitiker und Lobbyismusregierung. Das wäre wahrhaftig besser.
von: lilapause am 20.08.2013, 17:06

@lilapause Schwarz-Weiß-Denken hilft auch hier nicht.
von: tschirni am 22.08.2013, 18:36

Enzensberger meinte ja kürzlich, dass wir uns bereits in "postdemokratischen Zuständen" befinden. Ich finde, es sollte schon erlaubt sein darüber nachzudenken, ob das nicht vielleicht zutrifft. Denn wenn dem so wäre, würde es uns herzlich wenig nützen ein System für perfekt zu halten, das schon Vergangenheit ist. Wählen gehen sollte man deswegen aber vorerst trotzdem. ;)
von: basti am 22.08.2013, 19:29

Es ist meiner Meinung nach vielleicht gar nicht so wichtig, wählen zu gehen, denn welche aktuelle Partei auch immer die Stimme bekommt - bei jeder wäre dieselbe denkbar schlecht aufgehoben. Wir als mündige Christen und Bürger einer gefühlten Demokratie müssen uns vielmehr Gedanken machen, unserer (politischen) Verantwortung gerecht zu werden und unsere Stimmen gegen gefühltes Unrecht und politischen Missbrauch dort zu erheben, wo sie gut gehört werden kann. Über Internetforen, Leserbriefe, thematische Gottesdienste, Demonstrationen, Petitionen und so weiter. Nur auf den Lobbyismus und die Scheinpolitiker zu schimpfen, bringt genauso viel, wie einen Sumoringer mit einer Fliegenklatsche zu Fall bringen zu wollen.
von: elton am 25.08.2013, 09:24

an dieser Stelle sei nochmal der wunderbare Film `Herr Wichmann aus der dritten Reihe` empfohlen. Politik ist nicht so einfach, als dass Versprechen sich immer so einfach halten ließen. wählen ist keine verschwendete Liebesmüh an unfähige Idioten, sondern Basis unserer Demokratie und damit das mindeste, das wir ihr schuldig sind. und wem das nicht reicht und wer unzufrieden ist, der soll genau das tun: sich engagieren durch Beteiligung, in welcher Form auch immer.
von: eiscreme am 26.08.2013, 15:42

Nicht wählen kann durchaus eine Option sein, aber dann bitte nicht in der Form nicht wählen zu gehen! Nicht wählen gehen, sich nicht beteiligen, zeigt Desinteresse und keinen Protest. Um zu zeigen, dass die Parteien nicht das sind, was man möchte, sollte man zumindest einen leeren/ungültigen Wahlschein abgeben um zu zeigen: Man war da, man ist interessiert aber nicht an diesem Angebot.
von: mumum am 23.09.2013, 07:45


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