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Der zottelige Hund

Der zottelige Hund
Von Nadja de Lamarck

Stellen Sie sich vor: Vor langer Zeit da lebte einmal ein kleines Mädchen, dem waren die Eltern gestorben und es lebte nun bei seiner Großmutter, die den ganzen Tag am Webstuhl saß und fleißig für andere Leute Kleider wob. Und doch reichte das Geld nie, um beide zu ernähren.
Das Mädchen trug den Namen Julie und lief lange durch die Stadt und bettelte nach etwas Essbarem, doch niemand achtete auf das hungrige Kind. Alle Leute liefen an ihr vorüber.
Als Julie schließlich zwei ganze Tage gelaufen war und noch immer keinen Bissen in ihrem Magen hatte, erreichte sie einen Brunnen und wollte sich dort ausruhen.
„Halt!“, reif eine Stimme hinter ihr. Die Stimme kam von einem Hund.
„Hast du gerade >Halt< gesagt?“, fragte sie und das zottelige Tier nickte.
„Jawohl! Und du solltest dich nicht zu nahm an den Brunnen lehnen.“
„Warum nicht?“, fragte Julie.
Der zottelige Hund sprang auf den Brunnenrand und deutete hinein. Zuerst erkannte das Mädchen nichts in der Dunkelheit, doch plötzlich sah es etwas im Brunneninneren nach oben fliegen.
„Schwäne!“, stieß Julie hervor und stolperte rückwärts. Die schönen Vögel, es waren sieben an der Zahl, ließen sich um Julie nieder. Der eine hatte ein Stück Brot im Schnabel und reichte es dem Mädchen. Julie nahm es entgegen und aß mit Genuss. Dann erst sagte sie:
„Ich danke euch, aber sagt mir, wer ihr seid!“
Da drehten sich die Schwäne um das Mädchen und begannen vorzusingen:

Wir sind die Schwäne aus dem siebten Reich.
Sieben an der Zahl und alle gleich.
Wir suchten dich Julie, um dich zu finden,
damit deine Sorgen von dir schwinden.

Wir singen, wir singen und tragen dich fort.
Wir tragen dich, Julie, an den anderen Ort.
Nun schließe die Augen und träume sofort!
Wir tragen dich, Julie, an den anderen Ort.

Sie schlugen mit ihren Flügeln und Julie verfiel in einen tiefen Schlaf. Als sie erwachte, flog sie bereits auf dem Rücken eines Schwanes über die Landschaft.
„Aber ich kann die Großmutter nicht alleine lassen“, sagte sie zu dem zotteligen Hund. Dieser antwortete: „Deine Großmutter ist in der letzten Nacht gestorben, Julie. Du hast jetzt niemanden mehr, der dich vermisst.“
Julie hielt sich am Gefieder des Schwanes fest. Sie flogen über einen großen, dichten Wald und dann, zwischen den Bergen, erschien ein dunkles Schloss vor ihnen. Kein Weg führte zu ihm und keiner zurück.
„Dort lebt die schwarze Königin“, erklärte der zottelige Hund. „Sie besitzt alles wovon du nur träumst. Gold, Edelsteine, Diamanten!“
Die Schwäne umflogen das Schloss in großen Kreisen und landeten dann auf dem Vorplatz.
„Endlich“, eine Stimme ertönte vom Schloss her. Die Königin trat hervor und schleifte einen langen schweren Umhang auf dem Boden hinterher. Ihre Haare fielen wie Schlangen unter ihrer Krone hervor. Zwei Wachen standen direkt neben ihr.
Sie schritt zu Julie und nachdem sie das Mädchen von allen Seiten begutachtet hatte, strich sie ihr über die Wange und Julie wurde von Kälte erfasst.
„Sie ist tatsächlich so schön, wie mir berichtet worden ist“, stellte sie zufrieden fest und griff das Mädchen bei der Hand, um sie nach drinnen zu ziehen.
„Entschuldigung“, sagte Julie. Sie war unsicher und hing mit ihren Augen an der prunkvollen Einrichtung des Schlosses. Gold, Edelsteine, Diamanten – Der zottelige Hund hatte nicht gelogen. Trotzdem, sie verstand nicht.
„Was wollt ihr von mir… Majestät?“, fragte sie.
Die Königin erwiderte: „Du wirst meine Erbin sein, Julie. Mein Kind, du bist so schön wie kein Mädchen sonst in diesem Land und es soll dir gut gehen.“
Julie wagte nicht, der Königin zu widersprechen und doch fühlte sie sich unwohl.
„Die Diener, die hier herumlaufen, müssen dir jeden Wunsch erfüllen. Schau nur, wie hässlich sie sind! Sie haben nichts anderes verdient, als uns zu dienen. Julie, wir sind etwas Besseres!“, sagte sie hochnäsig.
Julie beobachtete die Menschen. Ihre Gesichter waren zerfurcht von Qualen und sie spürte, wie jeder einzelne von ihnen an Hunger litt. Sie wusste ja selbst, wie so etwas ist. Die Königin führte Julie in ihr Zimmer und ließ sie dort allein. Vom Zimmerfenster aus, sah Julie, wie sich die Schwäne im Vorhof schwarz färbten und im dunklen Teich zum Schwimmen begaben. Das Mädchen musste weinen.
Ein Vogel flog zum Fenster herein.
„Wieso weinst du?“, fragte er sie. Julie erzählte von der bösen Königin und dass Julie nicht so werden wollte wie sie.
„Erfülle besser die Wünsche der Königin, Mädchen“, sagte der Vogel. „Bevor diese Frau hier Königin wurde, da regierte ein junger Prinz das Reich. Die Königin wollte ihn heiraten, aber er weigerte sich und so verwandelte sie ihn in einen Untergebenen.“ Der Vogel setzte sich auf Julies Schulter und flüsterte: „Du hast sicher den zotteligen Hund bemerkt, der die Befehle der Königin ausführt. Das ist er.“
Dann flog der Vogel davon.
Julie überlegte, was sie tun sollte, denn auf einmal dachte sie nicht mehr an ihr eigenes Elend. Sie wollte dem jungen Prinzen helfen, wieder ein Mensch zu werden und überlegte, dass die Schwäne ihr helfen mussten.
So verließ sie das Zimmer und sagte zur Königin: „Ich habe soeben den Garten vom Fenster aus gesehen und finde ihn so wunderschön, dass ich ihn mir genauer anschauen muss.“, schmeichelte sie. Die Königin hatte sich umgezogen und trug nun ein schwarzes Kleid und schwarze Ohrringe, sodass sie noch furchtbarer wirkte, als bei Julies Ankunft.
Sie nickte und trat nach einer Dienerin, die nach ihrer Meinung zu langsam den Schrank abwischte.
„Ich kann dich leider nicht herumführen. Diese hässlichen Menschen machen alles falsch. Ich werde hier aufpassen, aber sieh dich nur um, mein Kind!“, sagte sie bitter.
Julie ging nach draußen und rief die Schwäne.
„Ihr Schwäne, ihr Schwäne – So helft mir bitte!“ und die Schwäne landeten vor ihr.
„Wir nehmen nur die Befehle der Königin entgegen“, sagten sie. Julie nickte.
„Und ich bin die Erbin der Königin. Ihr müsst mir helfen, Schwäne!“, forderte sie. Die Schwäne waren überzeugt.
„Wie kann ich den zotteligen Hund wieder in den Prinzen verwandeln?“, fragte Julie.
Die Schwäne erhoben sich in die Lüfte und tanzten vor ihr in der Luft. Wieder erklang ihr Gesang.
Ein Fluch ein Fluch, liegt auf dem Schloss
Prinzessin Julie, begebt euch zum Ross!
Von der Mähne nehmt drei Haare fein,
es soll eurer Frage Lösung sein!

Julie eilte noch während sie sangen in den Stall und suchte das Pferd.
„Liebes Pferd, gib von deiner Mähne die Haare! Ich brauche derselben drei Stück.“, bat sie. Das Pferd wieherte.
„Ich nehme nur die Befehle der Königin entgegen“, sagte es trotzig.
„Und deren Erbin bin ich. So gehorche auch mir!“, befahl Julie. Das Pferd überlegte und stimmte dann zu. Es ließ sich die Haare nehmen und Julie dankte ihm freudig. Die Haare verbarg sie in der rechten Hand, damit niemand sie sah.
Im Schloss traf Julie sofort auf die Königin.
„Hat er dir gefallen?“, fragte sie. Mit >er< meinte sie ihren Park und Julie nickte. Das Mädchen wartete bis die Königin sich umdrehte und schnappte sich den Hund. Sie handelte flink und kaum hatte man sich versehen, trug das Tier drei Haare um die Pfote gebunden.
Erst geschah gar nichts, aber dann verwandelte sich das Tier in den Prinzen, von dem der Vogel gesprochen hatte.
Die schwarze Königin wich zurück, aber sie entkam nicht dem Degen, den der junge Prinz in der rechten Hand führte. Tot fiel sie zu Boden. Und in dem Moment als sie starb, veränderte sich das ganze Schloss. Licht fiel durch die Fenster und brachte die Räume zum Leuchten. Die Bediensteten lachten fröhlich auf und tanzten. Das Pferd und die Schwäne traten durch die Tür und verwandelten sich schon auf der Schwelle zu einem Jüngling und sieben Jungfrauen.
„Was ist geschehen?“, fragte Julie erstaunt. Sie wurde von dem Zauber des Augenblicks mitgerissen ohne ihn zu begreifen.
„Julie, ich danke dir. Du hast nicht nur mich entzaubert sondern auch meinen Bruder und die sieben Schwestern. Wir danken dir alle, denn unter der schwarzen Königin musste unser Land schwer leiden. Jetzt soll es gerecht regiert werden und darum heirate mich und wir werden das gemeinsam tun!“, sagte der Prinz und neigte sich, dem Mädchen einen Kuss zu geben.
So heiratete Julie den Prinzen und regierte mit ihm zusammen das glückliche Land. Und solange unsere Fantasie in uns schlummert, existiert dieses Land, in dem alle glücklich miteinander leben können und solange wir daran glauben, dass es so ein Land gibt, wird die Hoffnung bleiben, dass dieses auch in der Wirklichkeit entstehen wird.

Von: delamarck, 16.12.2005, 15:57.
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KOMMENTARE:

gibt es da nciht das märchen von den sieben schwänen?
von: sweety, 16.12.2005, 19:05

ist wie dornröschen 2...wunderschön hast du das mal wieder geschrieben, mach doch ein kinderbuch draus^^ lg kl4
von: kleeblatt4, 16.12.2005, 23:19


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