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jugendfest.de - Literaturecke: TAGEBUCH

Fastentagebuch Teil 2

07.03. Frust. Aus Frust sind schon viele Dinge geschehen, die nicht hätten passieren sollen. Ich mein, Menschen bringen sich aus Frust am Leben um… ! Gut, der Gedanke war etwas abschweifend. Jedoch war ich nach einem ellenlangen Streit mit einem guten Kumpel ziemlich gefrustet. Da kommen Gedanken auf, wie, das macht ja eh alles keinen Sinn. Da brauch man halt was, oder jemand, der einem wieder hoch hilft. Da aber gerade niemand da war (kein Wunder Nachts um Drei bin ich sicherlich das einzige Nachtgespenst, was nicht schlafen kann), muss eben etwas anderes hinhalten. Etwas, dass dich zufrieden stellt oder dir das Gefühl von Zufriedenstellung, wenn auch nur kurzfristig, vortäuscht.
Also bin ich in die Küche geschlichen, wollte eigentlich nur etwas trinken, Milch oder so. Dann mach ich den Kühlschrank auf, keine Milch, keine Nutella, nix, außer – genau: Hallo, liebes Würstchen, denk ich mir. Ja ja, die böse Verlockung. Ich nehm es raus und setz mich hin. Doch irgendwie… es fühlte sich nicht gut an, gar nicht zufrieden stellend.
„Wenn du wegen so einer Lappalie schwach wirst, kannst du ja kein Durchhaltevermögen haben! Du wirst es bereuen!“, sagt das Engelchen.
„Ach, mach dir nix draus. In Notsituationen ist alles erlaubt, jeder wird irgendwann mal schwach“, schimpft das Teufelchen. Aber nein – ich sag dem Teufelchen „Gute Nacht!“ und kuschel mich wieder in mein Bettchen, und schlaf wie ein Engel. Und bin mächtig stolz auf mich.

08.03. Ein Woche! Eine Woche ist vorüber. Und das schneller als ich gedacht habe. Zwar ist das jetzt kein riesiger Erfolg, doch ein Anfang. Die drei kritischen Tage sind schon längst hinter mir, ja, stolz bin ich schon irgendwie.
Ich hab jetzt angefangen in meinem Hausaufgabenheft die Tage abzukreuzeln. Jeden Tag in der Schule wird es ein Tag weniger. Das macht einem zwar nur noch mehr die Menge an Tagen deutlich, die noch vor mir liegen, aber auf wundersame Weise hilft es mir. Jeden Tag das Gefühl zu bekommen, wieder ein Stück geschafft zu haben, ist toll.
Es geht mir zur Zeit sogar richtig gut. Ich genieß es, etwas zu verändern. Veränderungen sind nicht immer einfach, die Routine ist eben so in einem drin. Doch Veränderungen können positiv sein, für mich, für mein Leben. Ich bin nicht der Typ, der sich immer wieder neu erfindet. Ich mag es, wenn alles seinen geregelten Gang geht. Doch da auch einmal auszubrechen, es zu wagen, ist für mich schon Überwindung. Und ich hab diesen „Mut“ aufgebracht.

10.03. Ich habe heute die Sächsische Zeitung und den Artikel gelesen, in dem geschrieben steht, welche Dinge unsere Pfarrer und Diakone fasten. Ganz ehrlich, ich war doch sehr erstaunt. Zwar auch positiv, aber weitestgehend negativ. Auf das tägliche Fernsehen zu verzichten, find ich mutig und da hab ich auch echt Respekt davor. Doch dass manche Pfarrer auf ihren Tabak oder das Gläschen Wein am Abend verzichten, erregt bei mir doch Skepsis. Ist solch ein Verzicht Sinn des Fastens? Ich selbst weiß, dass ich andere Möglichkeiten hätte. Leute aus meiner Gemeinde haben mir berichtet, sie würden eine Zeit lang ganz auf Nahrung verzichten oder auf Medien allgemein.
Ich habe schon in vielen Predigten gehört, dass Gott uns noch näher sein könnte, wenn wir nur wöllten. Dass wir uns darauf einlassen müssen und auch lernen müssen, „ja“ zu sagen. Sollten nicht jene die Fastenzeit nutzen, um Gott näher zu kommen? Zumindest habe ich es so im Religionsunterricht gelernt. Und da war ich von dem Zeitungsartikel doch eher peinlich berührt. Nicht, dass ich unsere Pfarrer kritisieren und zum Hungern auffordern möchte – nein! Aber enttäuscht war ich schon.

11.03. Heute ist meine Geburtstagsfeier in der Oase. Das Thema auch noch: „Angrillen“. Na super, warum muss Fasten grade in meiner Geburtstags-Zeit sein? Da hab ich mich schon bisschen geärgert. Aber nun ja, immerhin gibt es ja noch Gemüse – Frikadellen, Nudelsalat OHNE Fleisch, Chips… aber trotzdem, letztes Jahr hat es doch besser geschmeckt. Und wenn man dann den anderen zugucken darf, wie sie mit Appetit ihre Bratwurst essen, ist das nicht sehr schön… aber ich hab’s so gewollt, hab’s mir so rausgesucht. Da muss ich mich eben zusammenreißen.
Ich bin später nach Hause gelaufen als die Party zu Ende war und ich hab mich irgendwie richtig toll gefühlt. Es hat noch leicht geschneit, die ganz Gegend war sehr ruhig und friedlich und da hab ich echt gedacht: Jetzt kommst du deinem Ziel, wo auch immer ich genau hin will, näher. Das war richtig schön.

Von: senata, 12.03.2006, 12:34.
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KOMMENTARE:

=) Oje, du folterst dich ja richtig...
von: delamarck, 12.03.2006, 13:29

So viel lese i jetzte ni!
von: richi, 15.03.2006, 20:18

Überzeugung ist halt alles. Und das Ziel vor Augen nicht zu verlieren, auch wenn es richtig schwerv fällt, find ich super.
von: mia168, 18.03.2006, 11:17

deine Standhaftigkeit möchte ich mal haben *träum*
von: hege, 19.03.2006, 20:42


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